Freitag, 15. Dezember 2017

Feine erste Sätze (32)

„Niemand denkt logischer als der Paranoiker.“

Willi Winkler in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 15. Dezember 2017 unter dem Titel „CIA auf LSD“ über das Verschwörungstheorien gewidmete Dokudrama „Wormwood“


Montag, 11. Dezember 2017

Heinz van Nouhuys: Barkunde (1996)

Als deutsche Trinkkultur sich noch auf Wein und Bier beschränkte, und Charles Schuhmann gerade mal begann, mit seiner American Bar die Kunst der Cocktails und Spirituosen in München und damit in Deutschland zu etablieren, saß im Schumann's an der Maximilianstraße nahezu unvermeidlich Heinz van Nouhuys (14.12.1929-20.12.2005), einer der ersten und – soweit ich mich erinnern kann – treuesten Stammgäste. Ein Niederländer, der es im deutschen Journalismus weit gebracht hatte und dem deutschen Journalismus entscheidende Impulse verschaffte. 
Er war Chefredakteur der „Quick“ gewesen. Brachte für den Bauer-Verlag den „Playboy“ sowie später in Eigenregie dessen feinsinnigeres, frecheres französisches Pendant: „lui“ nach Deutschland. Schließlich gründete Nouhuys die Intellektuellen-Postille „Transatlantik“, die nicht ewig währte, aber bis heute als heiliger Gral in der Kulturszene verehrt wird. Nach der Wende und Einstellung von „Transatlantik“ zog Nouhuys, übrigens auch ein ehemaliger Doppelagent, ins wiedervereinigte Berlin. 
Dort schrieb er für uns als Gastautor eine kleine Einführung in die Barkunde. Von Mixologen hat damals noch niemand etwas geahnt, und auch sonst durchweht den Text der glücklicherweise überstandene misogyne Hauch der Bar als Männerbund. Aber ich habe den kleinen Beitrag dennoch gern wieder gelesen, als er mir dieser Tage aus einer Ablage entgegenfiel. 
Der Text erschein im Juli 1996 in „Ticket“, dem Kultursupplement des Berliner „Tagesspiegel“.

Der dumme Spruch – Bars hießen so, weil man in ihnen besonders viel Bargeld loswird – stimmt so natürlich nicht. Die Bezeichnung kommt aus dem Amerikanischen und hat einen Ursprung, wie es seriöser nicht mehr geht: Bar heißt dort das Möbelstück, durch das sich das Gericht Distanz zum Verhandlungssaal verschafft. Ein Anwalt, der vor der Bar plädiert, heißt heute noch Barrister. Steht eine solche Bar in einer Berliner Kneipe, nennt sie der Einheimische Tresen.
Anders als in Berliner Gerichten stehen hinter jeder Bar, die sich hier so nennt, eine Menge Flaschen. Die Flaschen kauft der Wirt im Großhandel. Ihnen, dem Gast, schenkt er den Inhalt mit durchschnittlich 300 Prozent Gewinnmarge aus. Nimmt er 400 Prozent, ist das bei teuren Mieten und feudaler Ausstattung noch durchaus im Rahmen. Nimmt er nur 200 Prozent, sollten Sie nachschauen, ob die Gläser gespült sind.
Wenn bei der Inneneinrichtung richtig zugelangt wurde, nennt sich eine Bar gerne Club; bei rustikalen Holzmöbeln und einer Schwingtür Saloon. In einer Nightbar beträgt der Aufschlag auf billigen Sekt 1000 Prozent; in einem Nightclub gilt das gleiche für Champagner. In beiden Fällen gehört der Schlüssel, den Ihnen die Barfrau („Ich komme dann gleich nach“) gegeben hat, entweder zu einem Trummergrundstück oder einem Beamtensilo des Berliner Senats. Lokale, in denen Kuh-Sekrete am Tresen ausgeschenkt werden, nennen sich Milchbar. Wurde die Kuh ermordet und verbrennt man ihr Fleisch auf glühender Holzkohle, heißt das BAR-B-QUE.
Jede Bar ist so gut (oder schlecht) wie ihre Stammgäste. Kommen Sie als Neuer rein, kennen Sie die Stammgäste natürlich nicht. Woran erkennen Sie, ob es sich um eine gute Bar mit guten Gästen handelt? 1. Hinter der Bar steht (mindestens) ein Mann. 2. Er benutzt keinen Meßbecher, sondern schenkt freihändig ein. 3. Hinter ihm im Regal stehen mindestens zehn Whisky-Marken, darunter mindestens drei Pure Single Malts; beim Gin sind drei Marken Minimum, einer davon mit 42 Prozent Alkohol und darüber; beim Cognac drei Marken. 4. Nach spätestens zwei Kippen wird der Aschenbecher geleert. 5. Der Barkeeper fängt von sich aus kein Gespräch mit seinen Gästen an, und er verweigert Ihnen den letzten Drink, wenn Sie ihn nicht mehr vertragen. 6. Mit Sex läuft in einer guten Bar nichts. (Alte amerikanische Weisheit: Frauen lenken zu sehr vom Trinken ab.)
Da Berlin noch immer mehr Kneipen als Kräne hat, und wir hier keinen Platz für ein Branchenadreßbuch haben, nenne ich Ihnen nur eine kleine Auswahl empfehlenswerter Bars. Alle Bars großer Hotels; am fröhlichsten Harry's New-York Bar im Esplanade; am distinguiertesten die Bar im Savoy, wo bereits das sorglose Umblättern der „FAZ“ als Ruhestörung empfunden wird.
Die Bar am Lützowplatz, mit 31 Metern die längste Theke der Stadt. Dort, wie im Esplanade um die Ecke, Sommerdrinks satt. Als Promitreff das Botticelli, Dahlmanstraße, wohin tout Berlin von der Hundekehle und dem Landhaus Bott nachgezogen ist. Die Galerie Bremer, Fasanenstraße, wo Sie tagsüber Gemälde kaufen und nachts mit den Malern und deren „Kunden“ trinken können – seit über 40 Jahren bedient und unterhalten vom schwarzen Charmebolzen Rudi, der bald hundert wird. Ein Stück weiter oben in der Straße die Bar 47 des Junggastronomen Frankie, der mit hundert Spitzenspirituosen und weiteren hundert Jazz-CDs vom Feinsten schnell den Anschluß an die großen Berliner Traditionsbars geknüpft hat.
Am Schrulligsten das kleine Wiener Stüber'l in der Uhlandstraße, ein Theater- und Medientreff, wo der Wirt jeden Neuen anraunzt: „Erzähl' mir bloß koane G'schichten, i kenn sie alle.“
Zum Schluß eine Bar, die alles hat, was man von einer optimalen Bar erwartet: bestes Publikum, erlesene Getränke, höfliche Bedienung, anregendes Ambiente, durchaus angemessene Preise. Ihr Name: Paris Bar. Aber das ist leider keine Bar, sondern nur ein Restaurant.


Sonntag, 10. Dezember 2017

Wochenplan

Konrad Lischka: „Digitale Öffentlichkeit – Wie Algorithmen den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen“ / Lost Weekend, „Politik der Angst“ – Podiumsdiskussion mit Serhat Karakayalı und Yael Ronen / Akademie der Bildenden Künste,  Robert Sigls „Laurin“ in Anwesenheit des Regisseurs / Filmmuseum, Künstlergespräch mit Thomas Struth / Haus der Kunst, Vernissage „Geld“ / Akademie der Künste, Alien Disko #2 / Kammerspiele, Japandult / Feierwerk, Pressevorführungen „Star Wars – The Last Jedi“, „Das Leben ist ein Fest“, „Pitch Perfect 3“, „Wir töten Stella“, „Playing God“ und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (Foto)


Donnerstag, 7. Dezember 2017

Münchner Cafés, Bars und Kneipen zwischen den Jahren

Same procedure as every year: Nicht nur das Café, das ich täglich als Büroersatz mißbrauche, schließt zwischen den Jahren, ganz München scheint uns Koffein- und Alkoholjunkies auf kalten Entzug setzen zu wollen. Liegt's nur daran, daß die studentischen Servicekräfte daheim bei Mami Weihnachten feiern, oder gibt es zwischen Heiligabend und Dreikönigstag tatsächlich zu wenig Gäste, als daß es sich für den Wirt lohnte, aufzusperren? Immerhin haben wir so Gelegenheit, rund um Silvester aus der Routine auszubrechen und auch mal neue Lokale auszuprobieren.

(Die Liste wird laufend aktualisiert! Vorschläge und ergänzende Informationen sind willkommen.)
  • Bagels & Muffins Heiligabend geöffnet. Weihnachten geschlossen.
  • Barer 61 Ab 22. Dezember bis 4. Januar geschlossen.
  • Burda Bar Vom 23. Dezember bis einschließlich 1. Januar geschlossen.
  • Cafekiosk Vom 24. Dezember bis 7. Januar geschlossen.
  • Gegenüber Noch bis 4. Januar geschlossen.
  • Königin 43 Ab 22. Dezember bis voraussichtlich Februar geschlossen.
  • The Madam Bar Heiligabend und Weihnachten geschlossen. Silvester ab 0.15 Uhr geöffnet.
  • Morso Neujahr geschlossen. 
  • Café Puck Heiligabend von 9 bis ca. 16 Uhr geöffnet. Am 25. Dezember geschlossen, am 2. Weihnachtsfeiertag ab 9 Uhr geöffnet bis ca. Mitternacht und Silvester bis ca. 17 Uhr. Neujahr von 10.30 Uhr bis ungefähr um Mitternacht.  
  • Robinsons Bar/Cornelius 14 Heiligabend ab Mitternacht geöffnet.
  • Roy Silvester-Gala ab 19 Uhr.


Sonntag, 3. Dezember 2017

Wochenplan (Updates)

„Welche Stadt wollen wir sein?“ – Podiumsdiskussion mit Mazda Adli, Matthias Lilienthal, Karin Lohr, Elisabeth Merk, Margit Roth, Michael Stenger, Rainer Maria Schießler und Christian Stupka / Tollwood, Screenshots – Literatur im Netz: Das Elster-Experiment / Literaturhaus, Super Loook Mexico Special / Goldene Bar, „Die Macht der Daten“ – Podiumsdiskussion mit Yvonne Hofstetter und Klaus Mainzer / Tollwood, „Top of the Lake“ 2. Staffel / arte, Symposium „Academic Freedom and Politics“ mit Ismail Küpeli, Tariq Ali u.a. / LMU, Guest-Bouncing / Freebird, Pressevorführungen „Your Name“, „The Death of Stalin“ (Foto), „Die Dschungelhelden“, „Ferdinand“, „Der Hauptmann“, „Die kleine Hexe“ und „The Greatest Showman“


Donnerstag, 30. November 2017

BouncerPopa: The Madam Bar (Oktober 2016 bis November 2017)








Fotos: Gunnar Jans, Dorin Popa, privat


Montag, 27. November 2017

Wochenplan

Preis für einen bayerischen Kleinverlag: Maro / Literaturhaus, „Frantic“ / Filmmuseum (Foto), „An was arbeiten Sie gerade?“ – Katja Kobolt, Nina Neuper, Maximiliane Baumgartner, Ronit Wolf, Jan Steinbach & Tilman Schlevogt / Platform, Czernowitz – Ein Mythos, der lockt und klingt / Evangelische Akademie Tutzing, „4 Blocks“ / ZDFneo, Vernissage Amish Quilts 1870–1930 / Galerie Klüser 2, Last Day @ The Madam Bar, Openings Weinbauers Gamsmilchbar und Caffè Leopardi, FM4 Club / Rote Sonne, Markt der unabhängigen Verlage / Literaturhaus, Acht Jahre Boxhandwerk / Goldene Bar, Buchpräsentation „The Art of Tiki“ / Trader Vic's, Puls-Festival Indoor / Funkhaus, Pressevorführungen „The Killing of a Sacred Deer“, „Flatliners“, „Lux – Krieger des Lichts“, „Die dunkelste Stunde“, „Freiheit“, „The Commuter“, „Wunder“ und „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“


Sonntag, 26. November 2017

BouncerPopa: Freebird (Februar 2013 bis Juli 2015)







Fotos: „Der Spiegel“, Dorin Popa, privat


Sonntag, 19. November 2017

Wochenplan (Update)

Lehrermedientag der bayerischen Zeitungen, Helge Timmerberg liest aus „Die Straßen der Lebenden“ / Münchner Volkstheater, Telekom ./. Popa / Amtsgericht München, Opening Leopardi, Deadline – die Redaktionsband der „Süddeutschen Zeitung“ / Tollwood, The Bookxer – Let's get ready to read / Boxwerk, Oskar Roehler liest aus „Selbstverfickung“ / Literaturhaus (Foto), Pressevorführungen „Downsizing“, „Score – Eine Geschichte der Filmmusik“, „Eine bretonische Liebe“, „La Mélodie – Der Klang von Paris“ und „Das Leben ist ein Fest“

Foto: Stefanie Seufert/Schröder + Schömbs


Montag, 13. November 2017

Wochenplan


Vernissage Joseph Beuys: „Einwandfreie Bilder 1945–1984“ / Lenbachhaus, Die 27. Auktion / Akademie der Bildenden Künste, 10 Jahre Stromberger PR, Rumänisches Filmfestival / Filmmuseum, „Lobbyistin“ / ZDFneo, „Terrorismusbekämpfung der 1970er und 1980er Jahre – Ein Scharnier zur Gegenwart?“ Podiumsdiskussion und Buchpräsentation / Institut für Zeitgeschichte, „Specters of Communism – Ein Festival über das revolutionäre Jahrhundert“ / Haus der Kunst, Bambi / ARD, Let's Party 4 Art / Pinakothek der Moderne, Vorbesichtigung zur Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ / Ketterer, Pressevorführungen „Paddington 2“, „Daddy's Home 2“, „Girls Trip“ und „Coco“ (Foto)


Montag, 6. November 2017

Wochenplan (Update)

Pressegespräch Filmschoolfest Munich / Filmmuseum, Roman Polanskis „Weekend of a Champion“ (Foto) / Filmmuseum, Verleihung des Bayerischen Buchpreises an Tomi Ungerer u.a. / Allerheiligen-Hofkirche, Super Look Village Voice & Super Paper / Goldene Bar, Rumänische Kulturtage, Vernissage Hella Jongerius & Louise Schouwenberg: „Beyond the New“ / Neue Sammlung, Rumänisches Filmfestival / Filmmuseum, Vorbesichtigung der 27. Auktion in der Akademie / Akademie der Bildenden Künste, Faschingsauftakt / Viktualienmarkt, Pressevorführungen „Burg Schreckenstein 2“, „Zwischen zwei Leben – The Mountain Between Us“, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und „Happy Deathday“


Montag, 30. Oktober 2017

Wochenplan

The Feigenbaums & Friends: Delicatessen Vol. 1 / Loft im Tal, Vernissage Gabriele Münter – Malen ohne Umschweife / Lenbachhaus, „Arakimentari“ / Werkstattkino, The Isar-Rats big hell-o-ween / Kooks, Antifa-Kongress / Gewerkschaftshaus, LUNAparty / Blue Spa im Bayerischen Hof, Mogwai / Backstage, Tage der Regie / HFF, Bürgerentscheid Steinkohlekraftwerk, „Che?“ (Foto) / Filmmuseum, Pressevorführungen „Die dunkelste Stunde“, „Mord im Orientexpress“ und „Die Spur“


Freitag, 27. Oktober 2017

Blue Glow (39)



Mittwoch, 25. Oktober 2017

Warum ich Content Marketing für einen Totengräber des Journalismus halte

Vielleicht bin ich ja mitverantwortlich für alles. 1987 fragte mich ein befreundeter Händler für Werbeartikel, worüber ich mich als Journalist denn besonders freuen würde. Denn sein Kunde Levi's wollte zu Ostern die Redaktionen beschenken und suchte nach Ideen. Es sollte wenig kosten, aber viel Freude bereiten.
Kugelschreiber, Schlüsselanhänger, Hochprozentiges und Süßes bekamen wir alle Tage. Also empfahl ich, uns Journalisten mit exklusiven Inhalten zu versorgen. Mit einer Liste der 501 In-Adressen Deutschlands. Gut recherchiert, schmissig beschrieben. Den Auftrag dafür bekam ich postwendend.
Die Aktion kam in den Redaktionen offenbar gut an. Und zwei Jahre später wiederholten wir das Ganze mit etwas mehr Budget. Doch während der Arbeit am „Red Tab District Guide“ entwickelten sich das kleine Projekt, dessen Inhalte und Gestaltung so ambitioniert, dass der Kunde es schließlich nicht mehr nur – in einer verplompten Ausgabe – Journalisten vorbehalten wollte. Levi's schaltete Publikumsanzeigen für eine Volksausgabe. Jeder konnte sich das Brevier kostenlos zuschicken lassen. Und der Art Director's Club honorierte unsere Arbeit mit einer Auszeichnung.
Mein Handwerkszeug bei der Arbeit an diesen Szeneführern war natürlich journalistisch. Wie auch bei den Heftchen für Organon, die junge Frauen überzeugen sollten, dass Antibabypillen nebenbei gut gegen Pickel hälfen. Oder den redaktionellen Anzeigen für Fruchtzwerge, die skeptischen Müttern einreden sollten, Gervais-Danone bemühe sich um eine gesunde Ernährung der Kleinen.
Ich war der gekaufte Journalist, der sich diese Arbeit um ein vielfaches teurer bezahlen ließ als vergleichbare Leistungen für Redaktionen. Aber ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, diese Lohnschreiberei als Journalismus zu bezeichnen. Es blieb PR, Werbung, Marketing. Es ging ums Verkaufen.
Die Auftraggeber griffen zu meinen journalistischen Mitteln auch nicht, weil sie Journalismus für den hehreren Kommunikationsweg hielten. Oft wollten sie tricksen und etwa Werbeverboten oder gesetzlichen Auflagen bei der Werbung entgehen. Gern auch selbst below the line bleiben, nicht allzu auffällig in Erscheinung treten, sondern sich hinter journalistischen Formaten verstecken, um den Leser, sprich: den Verbraucher arglos, ohne Deckung zu erwischen.
Lange war ich ein Wanderer zwischen beiden Welten. Kurzzeitig war ich exklusiv bei PR- oder Werbeagenturen. Hätte mich aber in diesen Phasen selbst nie als Journalist bezeichnet, denn dort war ich Texter oder PR-Berater. So stand es in den Arbeitsverträgen.
Weshalb ich nie verstand oder verstehen werde, warum es in den Journalistenverbänden eigene Berufsgruppen für die Gegenseite der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gibt. Sicher, oft sind das ehemalige Kollegen. Doch mit dem Wechsel aus der Redaktion oder dem freien Journalismus, mit ihrem Abschied aus der Welt der Fakten, Diskussionskultur und Suche nach der Wahrheit haben sie sich ganz anderen Prämissen verschrieben. Pressesprecher mögen noch an der Schnittstelle beider Welten stehen, aber immer mehr ehemalige Kollegen haben sich mit dem Wechsel im Werbung, PR und Marketing monopolistischen Zielen wie etwa dem Diktat des Umsatzes verschrieben. Und wollen dabei nicht etwa Journalisten die Arbeit erleichtern, sondern sie viel eher ablösen.
Mit Journalismus hat das nicht mehr viel zu tun. Und die Mitgliedschaft in einem Journalistenverband kann kaum nur auf den Wunsch nach Presseausweis und Parkschild basieren. Bei allen Streitgesprächen mit Verbandsfunktionären zu dieser Frage ist mir letztlich nur ein bestechendes Argument in Erinnerung geblieben: Die Journalistenverbände bräuchten die ehemaligen Kollegen wegen der Beitragszahlungen. PR-Schwurbler und Content-Kings verdienten nunmal deutlich mehr, hätten sicherere Arbeitsplätze und gerade in den heutigen Zeiten, in denen Journalisten zu Hunderten aus dem Beruf und somit aus den Journalistengewerkschaften ausscheiden, retteten sie den Verband.
Doch noch ist der Journalismus nicht tot. Ganz im Gegenteil, er zeigt sich zunehmend vif. Es liegt nicht nur an den bewegten politischen und wirtschaftlichen Zeiten, die zunehmend der einordnenden Hand der Journalisten bedarf. Die Medien an und für sich sind agiler, transparenter, hierarchiefreier geworden. Man diskutiert untereinander, aber auch mit dem Objekt der Berichterstattung wie auch mit dem Leser, Hörer und Zuschauer auf Augenhöhe. Man teilt Recherchen und Ergebnisse, man verlinkt aufeinander (outgoing links), man kooperiert bei Projekten wie den Panama Papers oder Offshore Leaks. Man arbeitet an einem gemeinsamen höheren Ziel, das den Journalismus nicht zufällig mit der Presse- und Meinungsfreiheit und somit mit Grundrechten verknüpft.
Nun ist das sicher ein stark idealisiertes Bild. Natürlich gibt es Journalisten, die sich viel Arbeit sparen, indem sie PR-Texte oder Polizeiberichte unverändert übernehmen. Die Food-, Beauty- oder Modestrecken vieler Frauenzeitschriften scheinen nur die wichtigsten Anzeigenkunden abzufeiern. Im Boulevard mag manchen Blattmachern der Unterhaltungswert wichtiger als der Wahrheitsgehalt sein. Doch sind das Ausreißer, die systemischen Ausnahmen von der Regel, die nicht nur einen Hautgout haben, sondern gegen vieles verstoßen: Gegen den Kodex des Presserates und die Compliance-Regeln einzelner Verlage. Gegen die Grundregeln, die Journalistenschülern beigebracht werden. Und gegen die Grundziele, die die meisten Chefredakteure teilen. Vielleicht sagen sie es nicht on record, aber unter drei verraten sie es einem leidenschaftlich, wie sie gegen Schleichwerbung und ähnliches arbeiten. Denn Journalismus kann nur unabhängig funktionieren.
Die dafür erforderlichen Checks & Balances gibt es gerade auch in der Medienwelt. In einer Redaktion untereinander. In der Redaktionshierarchie. Zwischen Verlag und Redaktion. Unter den Verlagen, mit den Verbänden, vor Gerichten. Zunehmend, etwa via Facebook, Twitter und öffentlichen Veranstaltungen, mit den Lesern. Und natürlich auch im Wechselspiel mit den Anzeigenkunden, die bei ihren Jahresgesprächen genau auflisten, welcher Mitbewerber wieviel redaktionelle Beachtung fand und sich so gegenseitig neutralisieren. Im Großen und Ganzen kein perfektes System, aber ein ziemlich offenes, mit konkurrierenden Kräften, die guten Redakteuren viel Freiheit gewähren können.
Die Kollegen aus der Welt der Kundenzeitschriften und Contentlieferanten, die Intranet-Macher und Spezialisten für Kundenbindung via Newsletter und Portalen, die Pressesprecher von Verbänden und Parteien haben ganz andere Ziele, sie sind Lobbyisten und dienen einem Dienstherrn, der ausschließlich auf die Maximierung des eigenen Erfolgs setzt. Und um es mal mit einem ganz drastischen Bild auszuschmücken: Journalisten müssen bei der Wahl ihrer Reiseziele vorsichtig sein, weil sie die Wahrheit geschrieben haben. Die Manager von Autokonzernen, Technologie- und Telekommunikationskonzernen, Finanzdienstleistern und Anbietern von Sportartikeln oder die Funktionäre von Sport- und anderen Verbänden dagegen, weil vielleicht irgendwo ein Haftbefehl wegen Betrugs, Bestechung und anderer offenbar systemimmanter Tricksereien auf sie lauert. Nicht der schlechteste Grund, weshalb sie eigenen Contentfabriken auch den Vorzug vor einer unabhängigen, kritisch recherchierenden und publizierenden Presse geben.
(Oder Fanboys und -girls einer freien, und damit auch mal kritischen Presse den Vorzug geben. Robert Basic hat unlängst auf Facebook ausgeführt, wie die Automobilhersteller offensichtlich zunehmend Influencer auf Instagram & Co favorisieren – zu Lasten der eh schon nicht unbedingt sonderlich kritischen Autofachjournalisten.)
Content ist natürlich nicht per se schlecht. Dabei kommen natürlich auch journalistisch hervorragende Angebote heraus, wie etwa vor längerer Zeit das „WOM-journal“, das eben nicht nur die Kundenzeitschrift einer Kette von Plattenläden war, sondern eine sehr ambitioniert gemachte Musikzeitschrift.
Doch seltsamerweise rechtfertigen Contentmacher ihre Arbeit für branchenfremde Konzerne, sobald man sie kritisiert, selten damit, dass diese Verbindung ihnen vorbildhafte journalistische Arbeit ermögliche. Sie greifen lieber sofort die klassischen Medien an und setzen sie prompt absolut gleich mit Schleichwerbung und schlechtem Journalismus, als ob die Arbeit im Auftrag der Telekom oder Daimler AG der letzte Garant für das Wahre, Aufrechte und Gute sei.
Noch bedenklicher finde ich aber, dass selbst gute Contentarbeit letztendlich dem unabhängigen Journalismus schadet. Es werden ja nicht die arbeitslosen Kollegen von der Straße aufgelesen. Wo viel Geld vorhanden ist, beschäftigt man parasitär die besten freien Autoren wie Willi Winkler oder Pascal Morché, die ihren Namen letztendlich der jahrzehntelangen Arbeit klassischer Redaktionen verdanken.
Man holt hervorragende Redaktionsmacher wie Karsten Lohmeyer, Dominik Wichmann, Gunnar Jans, Carline Mohr, die damit dem unabhängigen Journalismus verloren gehen.
Contentangebote konkurrieren aber nicht nur um die besten Leute mit der Presse. Neben dem brain drain drohen auch Verluste bei den Anzeigenumsätzen, wenn die Contentanbieter ihr Angebot, selbst wenn es letztendlich pro domo wirbt, auch noch durch Werbung Dritter refinanzieren wollen.
Und man stiehlt den unabhängigen Medien Nutzer. Denn Contentprofis schaffen gated oder closed communities. Während meiner Zeit bei „Cosmopolitan“, „freundin“ oder der „DONNA“ haben wir uns über jede Leserin gefreut, die auch andere Zeitschriften kaufte. Denn je mehr Zeitschriften jemand kauft und liest, desto sicherer bleibt er der Branche erhalten. Leser, in der Regel meist: Männer, die nur ein Medium konsumieren, sind meist auch die, die irgendwann ganz damit aufhören.
Beim Content Marketing ist es ganz umgekehrt. Hier steht das Quartalsziel im Vordergrund. Jeder Griff zu einem konkurrierenden Medium birgt die Gefahr, dass der Konsument sich auch für ein konkurrierendes Produkt entscheidet. Content Marketing propagiert das Leben in einer Filterblase, bei der alles außerhalb dieser Produktwelt möglichst auszublenden ist. Insofern ist Dietrich Mateschitz' Medienentwicklung von „The Red Bulletin“ zu „Quo vadis veritas“, von produktbezogenem Content zum ideologischen Spiel mit der Welt der Fake News kein zufälliger Medienmix, sondern nur konsequent.


Sonntag, 22. Oktober 2017

Wochenplan

Ronya von Rönne liest aus „Heute ist leider schlecht“ / Münchner Volkstheater, Medientage, Vernissagen Jan Fabre: „The Appearance and Disappearance of Antwerp/Bacchus/Christ“ / Galerie Klüser und Araki: „Tokyo“ / Pinakothek der Moderne, „The Fearless Vampire Killers“ (Foto) / Filmmuseum, Fab 5: „Anti Winter Winter Club“ / The Madam Bar, Pressekonferenz zu „Gabriele Münter – Malen ohne Umschweife“ / Lenbachhaus,  Seriencamp / HFF, „Bruder – Schwarze Macht“ / ZDFneo, Ende der Sommerzeit, Pressevorführungen „Simpel“, „Coco“, „Der Mann aus Eis“, „Die Pariserin“, „Genauso anders wie ich“ und „Paddington 2“


Mittwoch, 18. Oktober 2017

Asterix – Schon wieder mit Frühstart unterwegs

Sperrfristen, Verschwiegenheitsklauseln, Konventionalstrafen. Wie bei klassischen Bestsellern oder Blockbustern wird auch jeder neue „Asterix“-Band mit einem Instrumentarium lanciert, der allen Beteiligten von der Presse bis zum Buchhändler das Gefühl suggeriert, bei etwas enorm Bedeutsamem dabei zu sein.
Da schien es nur ein kleiner Ausreißer zu sein, als ich 2015 in einer Schwabinger Straße unter den Schnelldrehern, die eine Buchhandlung in die Gasse gestellt hatte, auch den neuen Asterix-Band „Der Papyrus des Caesar“ zufällig entdeckte. Und das Tage vor dem offiziellen Erstverkaufstag.
Ich fand das eher apart und twitterte kurz dazu. Der Verlag tat ziemlich entsetzt und telefonierte mir emsig hinterher, um mit meiner Hilfe die Buchhandlung herauszufinden, die Bücher von der Straße zu bekommen – und mich dazu, nichts vorab an inhaltlichen Details zu verraten. Schien mir auch nicht weiter dramatisch. Nur die dpa besaß wieder einmal den richtigen Riecher und griff meinen Fund auf. Viele Redaktionen veröffentlichten die Geschichte, die „tz“ schickte eine eigene Reporterin hinterher. Mal wieder 15 Minuten Ruhm für mich.
Zwei Jahre später der gleiche Bohei, diesmal für den 37. Band: „Asterix in Italien“. Sperrfristen, Verschwiegenheitsklauseln, Konventionalstrafen. Meine Unschuld war hin, von einem Zufallsfund würde ich nicht sprechen. Aber ich bin auch nicht zielstrebig auf die Jagd gegangen. Ich habe nur immer, wenn mein Weg eine Buchhandlung oder einen Zeitschriftenladen kreuzte, deren Sortiment kurz gescannt. Und wurde gestern, zwei Tage vor dem angesetzten Starttermin recht schnell fündig.
Viele Geschäfte hatten alte Bände strategisch neu plaziert, um vom wachsenden Interesse zu profitieren. Einige hatten bereits den Verkaufsständer („Wieder unterwegs“) für die Neuerscheinung aufgestellt, aber noch mit der Backlist befüllt. Doch bereits beim vierten Anlauf lag dann auch schon tatsächlich ein Stapel des neuen Abenteuers. Diesmal nicht wie vor zwei Jahren in einer kleinen schnuckligen Buchhandlung, sondern bei einem großen Filialisten.
Nun mag ich tatsächlich ein Liebling der Götter sein, dem zweimal in Folge so ein Zufallsfund gelingt. Wieder – um ein Statement des Egmont Verlags von 2015 zu zitieren – nur ein „Einzelfall“? Persönlich glaube ich eher, dass man meinen glücklichen Fund hochrechnen kann, und es zig Geschäfte gibt, die versehentlich den Comic bereits Tage vor dem Verkaufsstart ins Regal packen.
Morgen gibt es dann die Straßenabenteuer von Asterix und Obelix flächendeckend ganz regulär zu kaufen. Hier drei Anmerkungen, die nicht zu viel verraten, aber vielleicht die Lust wecken.


Disruption
Auch das kleine gallische Dorf bleibt vom Fortschritt nicht verschont. Der traditionelle Hinkelstein scheint passé und wird von einer dekorativen, aber federleichten Konkurrenz bedroht.

Investigativer Journalismus
Wie jedes Großereignis wird auch das Transcaliga-Rennen von Modicia (Monza) nach Neapolis von der Presse begleitet, die sich nicht mit Häppchenjournalismus abspeisen läßt, sondern unermüdlich kritisch nachforscht: „Unsere Leser haben das Recht auf Information.“

Historisches
Bei Asterix wird noch die CEBIT abgefeiert, der Markt für celtisches Brauchtum und innovative Technik. Wie auch beim Zitat „Freie Fahrt für freie Bürger“ bin ich schon ganz neugierig auf das französische Original, um zu sehen, wie die Formulierungen dort lauten. Aber das gibt es eben auch erst ab morgen zu kaufen...






Sonntag, 15. Oktober 2017

Wochenplan

Kirchweihdult, Werkstattgespräch mit Henriette Löwisch von der Deutschen Journalistenschule / PresseClub, Loyle Carner / Muffathalle, Podiumsdiskussion „Heimat – Thema, Ort, Gefühl: Wie Fernsehen und Printmedien mit dieser Herausforderung umgehen“ / Evangelische Akademie im PresseClub, Stefanie Sargnagel / Kammerspiele, 7 Jahre Goldene Bar, „Asterix in Italien“, Vernissagen Giuseppe Veneziano: „Mash-up“  (Foto) / Galerie Kronsbein und Seth Price: „Social Synthetic“ / Brandhorst, Candy Land Burlesque / The Madam Bar, Popa ./. Deutsche Telekom / Amtsgericht München, FREItag / Kardinal-Döpfner-Haus Freising, Symposium Frank Bowling / Haus der Kunst, Derby TSV 1860-FC Bayern II / Grünwalder Stadion, Pressevorführungen „Alte Jungs“, „A Ghost Story“, „Professor Marston an the Wonder Women“, „Schneemann“, „Madame“, „Gauguin“, „Downsizing“, „The Secret Man“


Montag, 9. Oktober 2017

Wochenplan (Updates)

Frankfurter Buchmesse, Bar Convent Berlin, Malenails: Rouge Noir, Lorde / Zenith, Vernissagen Fotodoks / Lothringer 13 (Foto) und „Wie sieht ein Pferd die Welt“ / Franz-Marc-Museum, Opening Ruffinihaus / Jagdmuseum, Zündfunk Netzkongress / Münchner Volkstheater, Verlegung weiterer Stolpersteine in München, Kirchweihdult, 50 Jahre Ochsengarten, Pressevorführungen „Liebe zu Besuch“, „Suburbicon“, „Zeit für Stille“ und „La mélodie“

Foto: Paul Kranzler, Girl with American Head Charge T-Shirt, Hollywood, Los Angeles 2009, aus der Serie „Syndicate18“, 1990– 2013 © Paul Kranzler / Fotodoks


Mittwoch, 4. Oktober 2017

Feine erste Sätze (31)

„Niki de Saint Phalle was a painter with a spirit more of guns than roses.“

Suzy Menkes für die britische „VOGUE“ anläßlich der Dior-Show S/S 2018.


Dienstag, 3. Oktober 2017

Ohne Titel (40)



Sonntag, 1. Oktober 2017

Wochenplan (Updates)

Wiesn, Pressevorführung „Blade Runner 2049“ (Foto), Media Date mit Gunnar Jans und Dirk von Gehlen: „Was (digitale) Medien vom Laufen lernen können“ / Mediennetzwerk Bayern, Underdox Filmfestival, Tagung Museen im digitalen Raum – Chancen und Herausforderungen / Pinakothek der Moderne, LUNAparty / Blu Spa im Bayerischen Hof, „Von München nach New York“ – Kolloquium zum Werk Oskar Maria Grafs / Monacensia, Einjähriges Neues Maxim, Premiere von „Schumanns Bargespräche“ / Arri & Schumann's


Montag, 25. September 2017

Feine erste Sätze (30)

„Politik ist wie ein Eisberg, 90 Prozent sind unter Wasser.“

Bernd Ulrich in „Die Zeit“ vom 14. September 2017 in seinem Doppelporträt von Martin Schulz und Sahra Wagenknecht anläßlich der Bundestagswahl.


Sonntag, 24. September 2017

Wochenplan (Updates)

Wiesn, Beth Ditto / Muffathalle, Pressekonferenz zum 8. Literaturfest München mit Doris Dörrie / Literaturhaus, Vernissage Begegnung. Peter Grochol & Angelika Paschmann / Galerie am Maxmonument, „Oriental Babysitter“ / Werkstattkino, Pressevorführungen „My Little Pony“, „Happy End“, „American Assassin“, „What Happened to Monday“ (Foto), „Battle of the Sexes“ und „Machines“


Samstag, 23. September 2017

Ohne Titel (39)



Sonntag, 17. September 2017

Wochenplan

Wiesn, „Normalzustand – Undergroundfilm zwischen Punk und Kunstakademie“ / Lenbachhaus, Vernissage Elly Smallwood / Galerie Benjamin EckBesser online / Komed Köln, 3 Jahre 1st Page Gallery / Bunker, 10 Jahre „100 Tage Bücher“, Bundestagswahl, Pressevorführungen „Simpel“, „Rock my Heart“, „Barbie – Die Magie der Delfine“ und „Vorwärts immer“ 

Foto: Emmanuelle Roser 


Montag, 11. September 2017

Wochenplan (Update)

Buchpräsentation von Cihan Anadologlus „Bar-Bibel“ / Social Room im Hearthouse, OB Dieter Reiter im PresseClub, Vernissagen „Does Performance Matter?“ / Architekturmuseum, Lena Policzka: „Rush“ / Størpunkt, Sarah Sze, Again and Again, Oscar Murillo und Polina Kanis / Haus der Kunst und Stefan Lupino: „Die Legion“ / Galerie am Maxmonument, Dorin Popa ./. Agentur für Arbeit / Sozialgericht, Ronja von Rönne liest aus „Heute ist leider schlecht“ / Hofspielhaus, „La Boum“ / Werkstattkino, Oktoberfest, David Lynchs „Blue Velvet“ (Foto) / Filmmuseum, Emmys, Pressevorführungen „Der Mann aus dem Eis“, „Hexe Lilli rettet Weihnachten“, „Der kleine Vampir“, „Victoria & Abdul“, „Kingsman – The Golden Circle“, „Gauguin“, „Das Kongo-Tribunal“, „The Secret Man“ und „Die Beste aller Welten“


Sonntag, 3. September 2017

Wochenplan (Updates)

„Sacco und Vanzetti“ / Werkstattkino, The Naughton Sisters / Fox, Toto-Pokal Achtelfinale TSV 1860 - FC Unterföhring / Grünwalder Stadion, „Häxan“ (Foto) mit Livebegleitung am Klavier durch Masako Ohta / Filmmuseum,  LUNAparty late summer / Blue Spa im Bayerischen Hof, Vernissagen Ecco Meinecke: „Travellers“ / Salon Irkutsk„Material Boys & Girls“ / Pictet & Cie, Victoria Kleinecke: „Power Ballad“ / AkademieGalerie, David Lynch: „Smiling Jack“ / Galerie Karl Pfefferle und Tokihiro Sato: „Photo Respirations“ / Micheko, Panafrikanismus-Kongress / Black Box im Gasteig, Open Art, Brunch & Beats / Heart, Offene Ateliers und Spätsommerfest / super+ UNHOLZER, „Süddeutsche Zeitung“ – Nacht der Autoren*Girls* x By Prinzip x Queer / Münchner Freiheit, Pressevorführungen „The Square“, „Norman“, „Leanders letzte Reise“, „Anmals – Stadt Land Tier“ und „The Book of Henry“


Dienstag, 29. August 2017

Wochenplan

Phil Sandler & Rawnfunkie / The Madam Bar, „Sacco & Vanzetti“ / Werkstattkino, Freisinger Volksfest, Cheers Baby – The Madam Bar x Bikini Mitte, Pressevorführungen „Die Nile Hilton Affäre“, „Wenn Gott schläft“, „Fikkefuchs“, „Barry Seal“ (Foto), „Cars 3: Evolution“ und „Victoria & Abdul“


Montag, 21. August 2017

Wochenplan (Updates)

Bartlmädult / Landshut, Toto-Pokal TSV Dorfen - TSV 1860, Rocksommerfest Sommerfest Heart Rock / Heart, Telekom ./. Dorin Popa / AG München, Augsburger Herbstplärrer9. Großes Ochsenrennen Haunshofen, Pressevorführungen „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“, „Happy End“, „Der kleine Vampir“, „Daniel Hope – Der Klang des Lebens“, „Captain Underpants“, „Untitled“ und „Logan Lucky“ (Foto)


Sonntag, 20. August 2017

Feine erste Sätze (29)

„Dass dieses Unterfangen vielleicht zu den schlechteren Ideen meines an schlechten Ideen gar nicht so armen Lebens gehören könnte, kam mir erstmals am dritten Tag der Expedition in den Sinn, als wir in einem seit Stunden niedergehenden Bindfadenregen eine Wiese überquerten, die an den besseren Stellen nur knöcheltief unter Wasser stand.“

Christian Zaschke in seiner Abschiedsreportage aus Großbritannien für die „Süddeutsche Zeitung“ vom 19. August 2017 (Blendle €, SZ plus €)


Sonntag, 13. August 2017

Wochenplan

Bar Market / Praterinsel, Ebersberger WiesnGäubodenfest, Dachauer Volksfest, „Under the skin“ (Foto) / arte, Pressevorführungen „Unter deutschen Betten“, „Jugend ohne Gott“ und „Barry Seal“


Mittwoch, 9. August 2017

Wenn redaktionelle Transparenz zu Schleichwerbung mutiert

Vor vielen Jahren, man könnte auch von einer längst vergessenen Ära redaktioneller Unabhängigkeit sprechen, im letzten Jahrtausend jedenfalls schickte das „FAZ-Magazin“ einen Reporter auf der Queen Elizabeth 2 über den Atlantik. Und statt sich von der Reederei einladen zu lassen, bezahlte die Redaktion selbstverständlich die mehrere tausend Mark teure Passage und druckte das Ticket stolz im Editorial ab. (Die „Frankfurter Allgemeine“ war auch die einzige Redaktion, bei der ich es bereits in den Achtzigern erlebt habe, dass sie selbst preiswerte Geschenke zurückschickt und sich Ähnliches künftig verbittet. In einer Zeit, als noch kein deutscher Verlagsmanager von Compliance sprach.)
Inzwischen lassen sich – Compliance hin oder her – immer mehr Redaktionen allein schon aus Budgetnot gerne einladen und beschenken. Durchaus auch mal hinter dem Rücken der Verlagsleitung.
Reisejournalisten, Autotester, Moderedakteure, Beauty-Experten und Filmkritiker reisen, übernachten und tafeln gern für lau. Selbstverpflichtungen, solche Einladungen am Ende der daraus generierten Veröffentlichung offen zu legen, gibt es durchaus. So auch beim Axel-Springer-Konzern in Form seiner Leitlinien journalistischer Unabhängigkeit.
„Die Journalisten bei Axel Springer tragen dafür Sorge, dass alle Kosten (Reisekosten, Bewirtungen etc.), die im Zusammenhang mit Recherchen entstehen, grundsätzlich durch die Redaktion übernommen werden. Ausnahmen sind von der Chefredaktion zu genehmigen und in der Berichterstattung entsprechend kenntlich zu machen.“
Gerade Letzteres hatte diesen Sonntag den gegenteiligen Effekt, als Airen im Reiseteil der „Welt am Sonntag“ aus dem mexikanischen Aussteigerparadies Tulum berichtete.
Airen? Einige werden sich erinnern. Berühmt geworden ist der gebürtige Bayer und langjährige Wahlberliner weniger durch seine Korrespondententätigkeit (Drogen und Mexiko) für die „Frankfurter Allgemeine“ und „Welt“, denn durch seine länger zurückliegende junge wilde Clubberprosa, aus der sich Helene Hegemann für „Axolotl Roadkill“ reichlich bediente.
Inzwischen würde es eher nur für Herzschmerzprosa à la Rosamunde Pilcher oder Katie Fforde reichen. Recht schwülstig (€ Blendle, Welt+) lobt er Tulum als einen „jener Orte, die unserer Vorstellung vom Paradies am nächsten kommen. Unter der gleißenden Sonne geht strahlend weißer Korallensand in das stille, türkis funkelnde Meer der Karibik über; ein Farbverlauf so unnatürlich intensiv, als habe jemand an den Kontrastreglern eines Grafikprogramms herumgespielt. Kokospalmen wiegen sich sanft in der Brise, silberne Albatrosse schweben reglos über dem Wasser, und irgendwo steht ein Straßenschild, das anregt: 'Be here now'.“
Das mag kitschig klingen, aber tatsächlich sein. Zweifel weckt dagegen Airens Hinweis, „erschwingliche Zimmer finde man eigentlich nur noch über Online-Vermittlungsplattformen.“ Nicht, dass er sich etwa selbst soweit hinauslehne. Er zitiert vorsichtshalber nur eine Insiderin, eine 40-jährige Yoga-Lehrerin, die einerseits beklagt, dass eine Übernachtung inzwischen auch schon mal vierstellig zu Buche schlage. Angeblich aber andererseits einen Ausweg bietet: erschwingliche Zimmer via Online-Plattformen. Die meisten Textchefs oder Redakteure hätten wohl dennoch – selbst wenn es sich nur um ein Zitat handelt – den Rotstift angesetzt, denn solche Behauptungen sind selten faktenfest.
Und tatsächlich zeigt ein kurzer Testcheck, dass ein Hotelportal durchaus günstiger als eine Zimmervermittlungsplattform sein kann. Anfang September etwa bietet HRS für Tulum 25 freie Hostels und Hotels bei Übernachtungspreisen zwischen 8,04 und 462,74 Euro an. Airbnb dagegen listet im selben Zeitfenster zwanzig freie Unterkünfte für 28 bis 2.304 (!) Euro pro Nacht auf.
Aber damit noch nicht genug. Einen Hautgout bekommt das Ganze eben gerade erst durch den journalistische Unabhängigkeit versprechenden Abbinder: „Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Airbnb.“ Und so wird aus den unverbindlich allgemein formulierten „Online-Vermittlungsplattformen“ eine recht eindeutige Empfehlung: Airbnb.
Chefredakteur Peter Huth – sie erinnern sich, derjenige, dessen Chefredaktion die Unterstützung durch Airbnb laut Konzernrichtlinie abnicken müßte – verweist auf meine Anfrage hin recht schmalllippig an die Verlagspressestelle, was ausgesprochen schade ist. Macht er doch eine meist sehr lesenswerte „Welt am Sonntag“ und hat davor bei der „B.Z.“ durch seine forschen Titelseiten sogar Leute überzeugen können, die sonst kein Springer-Blatt anfassen würden.
Die Konzernpressestelle kreiste ein kreißte einen Tag lang und gebar dann ein Statement: „Mit dem klaren Hinweis, dass die Reise für den Autoren-Beitrag durch Airbnb finanziell unterstützt wurde, entspricht der Text branchenüblichen Transparenz-Standards“. Was nun aber in Zusammenhang mit der eindeutigen Empfehlung innerhalb des Artikels zum Problem wird. Nur nicht für die blaue Gruppe. In der inzwischen veröffentlichten Onlinefassung des Zeitungstextes findet sich die Formulierung unverändert.

Der Blogeintrag wurde überarbeitet und ein Wörtchen gestrichen gelöscht, da ein Dissenz auftrat, ob es sich dabei möglicherweise um ein unautorisiertes Zitat handle oder um eine zitierfähige Antwort auf eine offizielle Anfrage.